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XY Intern

„Wie eine neue Kür“ - Nach 10 Jahren bei XY zieht Rudi Cerne (Zwischen-)Bilanz

Berlin (Detlef Vetten/teleschau).  Rudi Cerne hat Dienstjubiläum. Seit zehn Jahren moderiert er jetzt  "Aktenzeichen XY" - und alle sind des Lobes voll über einen der erfolgreichsten Moderatoren im deutschen Fernsehen. Erst am Mittwoch hatte die Sendung wieder eine rekordverdächtige Quote: 6,1 Millionen Zuschauer (18,8 Prozent Marktanteil). Und die  Aufklärungsquote liegt bei 42 Prozent. Der Frontmann Cerne, in seinem "ersten Leben" einer der besten Eiskunstläufer der Welt, zieht eine (Zwischen-)Bilanz.

Was Rudi Cerne für einer ist? Eine Begebenheit, die sich Ende vergangenen Jahres zutrug, charakterisiert den 53-Jährigen ziemlich treffend. Das Ganze passierte im Hauptstadtstudio des ZDF. Wichtige Perönlichkeiten hatten sich zusammengefunden, um den "XY"-Preis an couragierte Bürger zu vergeben.

Einer der Geehrten war ein junger Mann aus dem Schwäbischen. Er hatte sich "eingemischt", als kriminelle Gewaltbesessene in einer U-Bahn-Station auf ein wehrloses Opfer eintraten. Damit hatte der Mann einem Mitmenschen wahrscheinlich das Leben gerettet.

Professionelle Qualitäten 
Nun aber, vor laufenden Kameras und im Scheinwerferlicht, war er gämzlich überfordert. Kein Wort brachte er heraus. Und da zeigten sich Cernes menschliche und professionelle Qualitäten. Sehr schnell erkannte er die Pein seines Interviewpartners, verwies noch einmal auf dessen beispielhafte Tat und gab dann souverän die wichtigen Antworten selber.

Aufatmen im Saal. Wieder einmal hatte Cerne gezeigt, dass er Meister seines Fachs ist.

Bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" tut er das nunmehr seit zehn Jahren. Anlass für eine Zwischenbilanz -  eine Art "Selbstauskunft":

Führungszeignis
Ich brauchte keines und habe keines. Ich bin auch nie straffällig geworden und habe, glaube ich, nicht mal Punkte in Flensburg. Obwohl der Führerschein mal für zwei Monate weg war. Der Klassiker: An einer Autobahnbaustelle zu spät abgebremst. Aber die Punkte müssten längst verfallen sein.

Zivilcourage
Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar. Wir wollen mit dem "XY-Preis" positive Beispiele für Zivilcourage herausgreifen und so dazu beitragen, dass sich das Thema noch stärker im Bewusstsein der Menschen verankert. Aber ich bin nicht der Sheriff der Nation. Niemand darf und soll sich selbst in Gefahr bringen. Aber man kann zum Handy greifen oder in die nächste Kneipe rennen und Hilfe holen.

Jugendgewalt
Die Anzahl der Straftaten ist rückläufig, aber gleichzeitig wächst die Bereitschaft zur Gewalt. Und die Täter werden immer jünger. Dass für 20 Euro zugeschlagen wird, ist relativ neu. Neu ist auch, dass getreten und geboxt wird, bis jemand schwer verletzt oder tot ist. Erschütternd!

Vorsicht
Ich bin generell ein vorsichtiger Mensch, aber ich gebe zu, dass ich jetzt noch vorsichtiger bin. Die Zeit hat meine Sinne geschärft - auch wenn ich erst mal erschrak: Gleich in meiner allerersten Sendung ging es um Kindsmorde und nekrophile Täter, also Leute die Leichen ausgraben, um sich daran zu vergehen. Da dachte ich schon: Mein Gott, wo bin ich da nur hingeraten! Dann begriff ich, dass diese Dinge passieren - auch bei uns in Deutschland.

Emotionen
Da war der Fall der kleinen Levke Straßheim, der letztendlich ja auch durch unsere Sendung aufgeklärt werden konnte. Erst galt sie als vermisst, dann war klar, sie wurde ermordet. Die Darstellerin im Film sah Levke so ähnlich ... So etwas nimmt mich schon mit, es verfolgt mich auch ein Stück weit. Es ist ja ohnehin nicht ganz ohne, eine 90-minütige Livesendung zu moderieren. Ein anstrengender Job, aber auch ein sehr spannender.

Nervosität
Wenn ich bei "Aktenzeichen XY … ungelöst" auf fernseh-unerfahrene Kommissare treffe, die nicht wissen, wohin mit ihrer Aufregung, dann lautet mein Rat: Nehmen Sie die Nervosität an, sie gehört dazu. Vielleicht schläft man vor lauter Anspannung mal eine ganze Nacht nicht, aber man kommt schon irgendwie zurecht, wenn man sich der Situation nur erst stellt. Augen zu und durch! Das klappt - im Leistungssport wie im Berufsleben.

"Aktenzeichen XY"
Ich dachte vor zehn Jahren nur: Um Gottes willen, wie kommen die denn auf mich? Ich war total überrascht, ließ mich aber dann darauf ein, weil mich der Kontrast zum Sport reizte. Sicher war es ein Risiko, ungefähr so, als würde man eine neue Kür ausprobieren.

Eduard Zimmermann
Er bestärkte mich und riet mir, dass ich mir selbst treu bleiben soll: "Versuchen Sie ja nicht, mich zu kopieren, sondern seien Sie am besten genauso wie beim Sport: absolut authentisch!"

Fotos: Securitel

11.01.2012  dv / wel