Zusammenstöße bei NPD-Rockfestival: Rechtsradikale auch für Anschläge auf Bahngleise verantwortlich?
Pößneck/Saalfeld (ddp-lth). Am Rande des von der NPD organisierten
Rechtsrockfestivals «Fest der Völker» ist es am Samstag zu
vereinzelten Zusammenstößen zwischen Neonazis und Gegendemonstranten
gekommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden zwei
Polizeifahrzeuge beschädigt. Das Landeskriminalamt untersucht
derweil, ob hinter einem Brandanschlag auf Zuggleise in Saalfeld
womöglich Gegner der NPD-Veranstaltung stecken. Die Brandsätze hatten
zwischenzeitlich den Zugverkehr auch nach Pößneck lahmgelegt.
Die Polizei verzeichnete 470 Teilnehmer an der NPD-Veranstaltung
und 750 Gegendemonstranten, die zum überwiegenden Teil in zwei
Aktionszügen aus Jena angereist waren. Am Rande von Sitzblockaden der
Gegendemonstranten kam es zu Sachbeschädigungen an Autos der
Teilnehmer der NPD-Veranstaltung. Ein Polizeisprecher sprach von
mindestens acht Gewahrsamnahmen.
Die Stadt Pößneck hatte eine Reihe von Gegenaktionen angekündigt,
an denen sich auch mehrere Parteien beteiligten. An einem von der IG
Metall angemeldeten Demonstrationszug gegen die NPD-Veranstaltung
nahmen am späten Nachmittag rund 400 Menschen teil. Die Polizei war
mit einem Großaufgebot im Einsatz.
Wegen Brandanschlägen kein Zugverkehr
Schon am frühen Samstagmorgen hatten unbekannte Täter mit
Brandsätzen auf Bahnanlagen in Saalfeld den Zugverkehr lahmgelegt und
damit auch die Anreise nach Pößneck erschwert. Ein Sprecher der
Bundespolizei sprach von elf Brandsätzen, von denen sechs in
Kabelschächten nahe dem Bahnhof entzündet worden seien. Es sei nicht
auszuschließen, dass hinter der Aktion Gegner der NPD-Veranstaltung
steckten, hieß es. Die Ermittlungen wurden vom Landeskriminalamt
übernommen.
Nach Angaben eines Bahn-Sprechers hatte der Anschlag zu einem
Kabelbrand geführt, der die Elektronik unterbrach. Dadurch hätten
«die Signale auf Rot» gestanden, weshalb vorübergehend keine Züge
verkehren konnten. Der zwischenzeitlich eingerichtete
Schienenersatzverkehr auf den Strecken nach Jena, Arnstadt und Gera
war ab Mittag nicht mehr nötig.
Im vergangenen Jahr in Altenburg hatten etwa 2000 Menschen
friedlich gegen das Rechtsrockfestival demonstriert, an dem damals
rund 1200 Neonazis teilnahmen. Das «Fest der Völker» findet bereits
zum vierten Mal in Thüringen statt. Das Oberverwaltungsgericht Weimar
hatte am Freitagabend aus Sicherheitsgründen die Verlegung des
Veranstaltungsortes innerhalb Pößnecks angeordnet.
13.09.2009 Ta
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