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Ratgeber

Typische Fälle

Etwa 80 Prozent der Opfer von Stalking sind Frauen. Sie kannten den Täter vorher privat oder beruflich und hatten häufig mit ihm eine Liebesbeziehung. Wahnhafte Verfolgung durch flüchtige Bekannte oder gänzlich Fremde ist eher selten. Egal ob ehemaliger Lebenspartner, Arbeitskollegin, Freund, Bekannter oder eine fremde Person - die gnadenlose Verfolgung kann sich über Wochen, Monate, ja sogar Jahre hinziehen.

Er konnte nicht von der "Ex" lassen
Peter und Sabine waren fünf Jahre ein Paar. Sie hatten oft gestritten, eigentlich waren die letzten zwei Jahre nur noch schlimm. Doch keiner traute sich, einen Schlussstrich zu ziehen. Bis Sabine den Entschluss fasste: ich gehe.

Peter konnte es nicht fassen, fiel aus allen Wolken. Er rief Sabine an. Nur noch einmal reden wollte er mit ihr. Sie umstimmen. Doch sie blieb hart. Er blieb dran. Täglich rief er sie an. Sie legte immer sofort auf. Er fuhr mit dem Auto an ihrer neuen Wohnung vorbei, beobachtete sie. Als sie offensichtlich einen Neuen hatte, verstärkte er seine Aktionen. Er zerstach ihre Autoreifen. Er schrieb ihr Drohbriefe: „Ich bringe dich um, wenn du nicht zurückkommst!"

Der Konzertbesuch mit Folgen
Angela lernte ihn bei einem Stones-Konzert kennen. Er stand damals neben ihr und beide hatten viel Spaß auf dem Konzert. Danach gingen sie noch in ein Lokal und redeten angeregt miteinander. Sie tauschten Telefonnummern aus. Tage später rief er sie an. Sie verabredeten sich. Doch da merkte er, dass sie doch nicht so interessant war, wie er dachte. Und sie hatte Ansichten, die so gar nicht mit seinen übereinstimmten. Er hatte nicht vor, sie wiederzusehen.

Sie aber hatte sich in ihn verliebt. Und das Drama begann. Sie schwor ihm am Telefon ihre Liebe. Er sagte: Ich habe mich nicht in dich verliebt und möchte dich auch nicht wiedersehen. Zuerst heulte sie nur. Dann schlug ihr Liebeskummer in blinde Wut um. Wenn sie ihm nur hartnäckig genug ihre Liebe gestehen würde, dann würde er sie bestimmt erhören: Sie schickte Videobotschaften, auf denen sie zitterte und schluchzte. Sie schickte weitere Konzertkarten, um den ersten Abend ihres Kennenlernens zu wiederholen. Sie kontrollierte ihn. Bald wusste sie alles aus seinem Privat- und Berufsleben. Am Ende tauchte sie an seinem Arbeitsplatz auf. Sie machte ihn bei seinen Arbeitskollegen schlecht, stahl unbemerkt wichtige Unterlagen und manipulierte Post. Er verlor seinen Job.

Der Unbekannte vom Sommerfest
Susanne arbeitet seit 15 Jahren in einer großen Firma. Jährlich wird ein Mitarbeiter-Sommerfest veranstaltet. Auch in diesem Jahr. Susanne amüsierte sich prächtig. Sie bemerkte nicht, dass sie von einem anderen Kollegen beobachtet wurde. Schon am nächsten Morgen fand sie auf ihrem Schreibtisch eine rote Rose mit einer Karte: Wir sind füreinander bestimmt. Dein Michael. Wer war Michael? Sie kannte ihn nicht. Ihre Kolleginnen witzelten...

Nun bekam sie wöchentlich - immer am Montag - eine Rose mit einer Karte. Die Botschaften wurden immer intimer. Bald bemerkte sie, dass der unbekannte Verehrer ihr Privatleben und ihre Freizeitaktivitäten kannte. Er wusste einfach alles, sogar den Kilometerstand ihres Autos. Eines Tages, als sie von der Arbeit nach Hause kam, entdeckte sie, dass in ihre Wohnung eingebrochen worden war. Es fehlten Bilder, Wäschestücke, Kosmetikartikel und ihr Kopfkissen.

Sie hatte Angst, igelte sich immer mehr zu Hause ein, bekam Depressionen. Keiner konnte helfen. Susanne wurde schließlich mit Panikattacken und massiven Angstzuständen in eine Klinik eingeliefert.

Stalking ist keine harmlose Form von Belästigung, es kann die Vorstufe eines Kapitaldelikts sein. Es ist Psychoterror.