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Fahndungen

Attentat auf einen Rapper - Zwei Kriminalfälle, eine Tatwaffe

(XY vom 14. Dezember 2011) 
Die Polizei wird zu einem Raubüberfall auf ein Spielcasino in Berlin-Charlottenburg gerufen. Die Täter - so erzählen die Zeugen - waren mit einer Maschinenpistole bewaffnet. Auch ein Schuss sei gefallen. Und tatsächlich: Am Tatort findet die Polizei eine Patrone, die sie auf eine wichtige Spur bringt.

Montag, 14. Februar 2011, Valentinstag. Gegen 21 Uhr befinden sich in der Spielothek in einem Berliner Hinterhof eine Angestellte und drei Kunden. Plötzlich stürmen zwei Männer in die Spielhalle. Einer der Männer ist unmaskiert. Er hat eine Axt dabei, springt über die Theke und fordert von der verängstigten Angestellten Geld. Die 180 Euro aus der Kasse sind ihm nicht genug. Deshalb zerrt er sein Opfer an den Haaren zum Wechselautomaten, dem die Angestellte nochmals 200 Euro entnimmt.

Unerwarteter Zwischenfall
Sein Komplize hält inzwischen mit einer Maschinenpistole die Kunden in Schach, die sich in zwei Räumen der Spielothek aufhalten. Zur Einschüchterung schießt er einmal in Richtung Decke. Dabei entsteht kein Schaden, die Waffe ist mit Schreckschussmunition geladen. Dennoch reagiert zumindest einer der Kunden panisch. In einem unbeobachteten Moment flüchtet er aus dem Spielcasino. Als die Täter sein Fehlen bemerken, ergreifen auch sie die Flucht.

Das Raubdezernat der Berliner Kripo übernimmt die Ermittlungen. Dank der Aufnahmen aus der Überwachungsanlage ist schnell klar: die Täter verwendeten als Waffe eine so genannte "Ekol ASI"-Pistole. Außerdem findet die Spurensicherung am Tatort eine Patronenhülse, die beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden aufwändig untersucht wird.  Und tatsächlich werden die Experten fündig. Ihre Untersuchungen ergeben: Mit der Maschinenpistole wurde bereits eine andere Straftat begangen.

Anschlag auf offener Straße
Es handelt sich um eine schwere Körperverletzung am Dienstag, dem 14. Juli 2009  ebenfalls in Berlin. An diesem Tag dreht der Rap-Musiker "Fler" (alias "Frank White") mit Rapper-Kollege "Bushido" ein Musikvideo. Gegen 12 Uhr steigen der 27-jährige "Fler" mit seinem Bodyguard und einigen Mitgliedern der Filmcrew in einen Transporter, um an einen anderen Drehort zu fahren. "Bushido" ist bereits vorgefahren.

An einer Ampel soll es dann passiert sein: Drei Männer - bewaffnet mit Pistole, Schlagstock und Messer - steigen aus einem dunklen Kombi älteren Baujahrs. Sie sollen - so die Zeugen später - auf die Insassen des Transporters losgegangen sein. Es habe im Auto einen Kampf gegeben, in dessen Verlauf auch mehrere Schüsse gefallen sein sollen.

Frage nach dem Motiv
Auch diesmal ist die Waffe lediglich mit Schreckschuss-Munition geladen. Die Insassen des Autos werden deshalb nicht schwer verletzt. Sie erleiden leichte Verbrennungen und einige von ihnen Knalltraumata. Der Fahrer des Wagens hat weniger Glück. Nach einem heftigen Schlag gegen den Kopf verliert er kurzzeitig das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, gibt er Gas. Die Opfer flüchten in ein kleines Café. Von dort aus alarmieren sie die Polizei.

Das Motiv für die Tat konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Unklar ist auch, ob die Spielhallen-Räuber und die Männer vom Überfall auf die Filmcrew identisch sind. Fest steht nur: Bei beiden Taten wurde mit ein und derselben Waffe geschossen.

Personenbeschreibungen:
Der Mann, der bei dem Überfall auf den Rapper Fler die Maschinenpistole dabei hatte, war 25 bis 30 Jahre alt, ca. 1,85 Meter groß und von kräftiger, sportlicher Figur. Er trug einen Drei-Tage-Bart sowie kurzes schwarzes Haar. Vermutlich handelte es sich um einen Südländer.
Von seinen beiden Komplizen gibt es nur grobe Beschreibungen. Sie sollen zwischen 20 und 30 Jahre alt und ebenfalls Südländer gewesen sein. Bewaffnet waren sie mit Teleskop-Schlagstock und Messer.

Bei dem Überfall auf die Spielothek am 14. Februar 2011 soll einer der Täter Mitte bis Ende 20, etwa 1,73 m groß und kräftig gewesen sein. Er hatte kurzes braunes Haar, dunkle Augen, sprach Hochdeutsch.
Sein Komplize war etwas größer, hatte ebenfalls kurzes braunes Haar und sprach fließend Deutsch. Als Maskierung trug er eine auffällige helle Sturmhaube mit Augen- und Nasenöffnung. Er war mit der Maschinenpistole "Ekol ASI" bewaffnet, die bereits bei dem Angriff auf die Filmcrew verwendet worden war.

Tatwaffe:
Bei der Tatwaffe handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine "Ekol ASI"-Pistole. Geladen war sie mit Schreckschussmunition, Kaliber 9 Millimeter.

Zurückgelassene Gegenstände:
In der Spielothek ließen die Täter eine schwarze Plastiktüte zurück, die unter anderem die Aufschrift "www.umarex.com" trug. Die Firma Umarex stellt unter anderem Softair- und Gasdruckwaffen her.

Fragen nach Zeugen:
- Wer kennt die Männer auf den Bildern der Überwachungskamera?
- Wo sind die Männer vielleicht beim Kauf der Schreckschussmunition aufgefallen?
- Wer hat Beobachtungen gemacht, die mit dem Überfall auf das Spielcasino am 14. Februar 2011 in Berlin und/oder dem Angriff auf die Filmcrew am 14. Juli 2009 - ebenfalls in Berlin - zusammenhängen könnten?

Zuständig: Polizei Berlin, Telefon: 030 / 46 64 27 31 00